


Die Präventionskultur ist eine sehr wichtige Größe, wenn es darum geht, gesundes Leben und Arbeiten in ein Unternehmen zu implementieren. Sie ist eine Subkultur der Unternehmenskultur und kann folgendermaßen definiert werden (in Anlehnung an Edgar H. Schein):
Präventionskultur bezeichnet ein Muster gemeinsamer Grundprämissen bzgl. gesundem Verhalten und Arbeiten, das die Mitarbeiter/innen einer Firma erlernt haben, das sich bewährt hat und somit als bindend gilt. Sie ergibt sich aus dem Zusammenspiel von geteilten Werten, Normen, Denkhaltungen und Paradigmen und prägt das Zusammenleben im Unternehmen sowie das Auftreten nach außen. Die jeweils firmeneigene Präventionskultur wird an neue Mitglieder als rational und emotional korrekter Ansatz weitergegeben.
Eine positive, stark ausgeprägte Präventionskultur ist vorteilhaft, da hier die Gesundheit weitestgehend gefördert wird. Präventionsorientierte Kulturen können beispielsweise folgende konkrete Effekte haben:
Positive Präventionskulturen lassen sicherheits- und gesundheitsbewusstes Verhalten zum Normalfall werden! Jedes konträre Verhalten wird in starken Kulturen erklärungsbedürftig. Das kann aber natürlich auch Nachteile mit sich bringen.
Besonders bei Anpassungen an sich wandelnde Bedingungen und Anforderungen können starke Präventionskulturen hinderlich sein, da sie das Denken in Stereotypen begünstigen und somit den Blick für Alternativen verstellen. Sie begünstigen Konformität auch da, wo Querdenken von Vorteil wäre und können somit leicht kreatives Problemlösen ver- oder behindern und die Herausbildung neuer Orientierungsmuster blockieren.
Vermutungen liegen nahe, dass vor allem in männerdominierten Berufsfeldern präventionsfeindliche Kulturen herrschen. Harte Arbeit und Missachtung von Arbeits- und Gesundheitsschutz werden als produktiv und positiv bewertet. Das belegt der alte Handwerkerspruch, den man bei Arbeitsunfällen oft hört: "Das ungeschickte Fleisch muss weg.“ Andere Beispiele, die diese präventionsferne Kultur in männerdominierten Bereichen verdeutlichen sind etwa das Truckerfrühstück auf Autobahnraststätten, bestehend aus sechs Eiern mit Speck oder aber auch die Eigenbeschreibung von Firmeninhabern "Ich bin selbstständig, d.h ich arbeite selbst und ständig.“ In diesen Präventionskulturen ist wohl kaum jemand in der Lage, individuelle Prävention zu betreiben.
Unsere Umfrage hat gezeigt, dass bisher nur wenige IT-Unternehmen für das Thema gesundes Arbeiten sensibilisiert sind und man zwar nirgends eine präventionsfeindliche, aber auch keine präventionsorientierte Kultur vorfindet. Die Geschäftsleitung ist meist offen für präventive Maßnahmen, die die Mitarbeiter durchführen möchten und lässt diesen auch einen gewissen Freiraum, sie eigenständig zu realisieren. Die Unternehmensleitung ist auch bereit, bestimmte Maßnahmen zu unterstützen. Eigeninitiativ sind aber kaum gesundheitsförderliche Handlungen zu erwarten. Das hat sich allerdings bei den beteiligten Unternehmen durch das Projekt geändert.